Was ist Lübeck kämpft?

23. Juni 2010 | Von Sylvia | Letzte Änderung: 21. Juli 2010 um 00:47 Uhr

Für was kämpft ihr eigentlich?

„Wir kämpfen für den Erhalt unserer Uni!“, lautet die kurze und prägnante Antwort auf diese Frage:

Die Uni Lübeck hat ein hervorragendes medizinisch-technisches Profil. Sie ist aus der Medizin gewachsen und sucht deutschlandweit und international ihresgleichen!

Kappt man Deutschlands zweitkleinster Uni ihre Wurzeln, bleiben ihr kaum  Studenten, mehr als die Hälfte wird gehen müssen. Die Uni verliert darüber hinaus ihren Kern, die vorhandene Exzellenz geht. Studenten, Doktoranden und Professoren werden nicht mehr kommen und die Uni verschwindet schnell ganz von der Landkarte!

Katastrophe für die Gesundheitsversorgung!
Ohne Medizinstudenten und Professoren, die ja gehen sollen, verliert Lübeck sein Universitätsklinikum! Lübeck wird nur noch ein normales städtisches Krankenhaus besitzen ohne besondere Behandlungsmöglichkeiten. Lübeck verliert seinen sogenannten Maximalversorger. Schleswig-Holstein hat jetzt schon einen Ärztemangel.

Durch die Schließung der Medizin in Lübeck reduziert sich die Zahl ausgebildeter Ärzte in Schleswig-Holstein innerhalb weniger Jahre um die Hälfte!

Katastrophe für die Wirtschaft!
Medizin und Technik sind wichtigstes Element für unsere Wirtschaft! 2009 hat das Sozialministerium festgestellt: Die Medizintechnik als Kernbereich der Gesundheitswirtschaft ist in Schleswig-Holstein das wichtigste Element der  Wirtschaft. In keinem anderen Bundesland ist dieser Wirtschaftszweig derart tragend für die Ökonomie.

Die Wirtschaft braucht die Uni.
Die Uni Lübeck ist zentraler Ansprech- und Kooperationspartner für hunderte medizintechnische Unternehmen in der Region Lübeck. An der Uni Lübeck werden wichtige Fachkräfte für die Wirtschaft ausgebildet, die das Land aufbauen helfen werden. In allen Studiengängen ist die Uni Lübeck dabei Spitze!

Die Region braucht die Wirtschaft.
Der Region Lübeck erbringen medizinische Unternehmen etwa 30% alleine an Gewerbesteuer. Diese Unternehmen bringen der Stadt direkt und indirekt tausende von Arbeitsplätzen.

Katastrophe für die Zukunft Lübecks!
Ohne die Uni Lübeck wird die Stadt Schülern keine Perspektive bieten können. Abgehende Schüler werden Lübeck für ein Studium verlassen müssen. Schulabsolventen aus Schleswig-Holstein und dem Bundesgebiet werden nicht mehr nach Lübeck kommen, die Stadt wird an jungen Menschen verarmen.

Schleswig-Holstein lebt nicht mehr von der Landwirtschaft. Politiker aller Parteien haben deutschlandweit erkannt, dass unbedingt mehr für Bildung ausgeben werden muss. Absolventen der Uni sind auf dem Arbeitsmarkt gefragt. Sie sind die  zahlungskräftigen Steuerzahler von morgen. Die Uni Lübeck führt Studenten mit Freude an ihre späteren Tätigkeiten heran. Ohne sie entwickelt sich Schleswig-Holstein zu einer (Aus-)Bildungswüste.

Wenn man sich die Geschichte der Uni Lübeck genauer kennt, sieht man den eklatanten Fehler noch eindeutiger: Die Universität zu Lübeck ist heute mit nur 2700 Studierenden eine recht kleine Universität. 1964 zunächst noch als medizinische Fakultät von Kiel, 1973 dann medizinische Hochschule, 1983 schon Medizinische Universität, erweiterte Lübeck 1993 ihr Studienangebot auf die Informatik, benannte sich 2002 nach Einführung des mittlerweile dritten Studienganges Molekulare Biotechnologie (heute Molecular Life Science) in Universität zu Lübeck um und mauserte sich in kürzester Zeit zu einer der besten Universitäten Deutschlands. Heute, mit insgesamt fünf Studiengängen, belegt Lübeck im CHE-Ranking jährlich einen der ersten beiden Plätze national und liegt europaweit auf Platz 6 der Rangliste. Nicht zu Unrecht rühmt sich die Universität also eines exzellenten Rufs, welcher junge Leute aus aller Welt nach Schleswig-Holstein zieht. Neben der exzellenten Lehre macht auch der enge Kontakt zu den Lehrenden die Universität zu Lübeck zu einem der beliebtesten Studienstandorte. Sie prägt das Bild der Stadt und bietet verschiedensten Wissenschafts- und Wirtschaftsunternehmen eine Existenzgrundlage.

Noch im Jahr 2009 sprach sich das Land Schleswig-Holstein für die weitere Förderung der aufstrebenden jungen Universität aus und plötzlich das böse Erwachen im Mai 2010: Entgegen jeglicher Vernunft und ohne kritischen Blick auf die daraus resultierenden weitreichenden Folgen beschließt die vom Land einberufende Haushaltsstrukturkommission (HSK) die Schließung des Studienfachs Medizin zum Wintersemester 2011/’12 in Lübeck. Die HSK, bestehend aus den Regierungsvertretern Rainer Wiegard (Finanzminister), Dr. Christian von Boetticher (Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion), Wolfgang Kubicki (Vorsitzender der FDP-Landtagsfraktion), Tobias Koch (Finanzpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion), Katharina Loedige (Finanzpolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion) hat sich zum Ziel gesetzt, dem Land Einsparpotential aufzuzeigen. Denn das ist es, was Schleswig-Holstein die kommenden 20 Jahre tun will: Sparen; insgesamt jährlich eine Summe von 125 Millionen Euro. 24 Millionen, so die optimistische Rechnung der HSK, ließen sich jährlich durch die Schließung der Medizin in Lübeck einsparen.

Wie bereits aus einem Grundlagenpapier der HSK, inklusive wahrscheinlicher Risiken, hervorgeht, bedeutet der Wegfall der Medizin das schleichende Aus der gesamten Universität zu Lübeck. Die mögliche Tragweite eines solchen Beschlusses wird schnell durch die entsetzen Reaktion der Lübecker Bürgerschaft, zahlreichen Unternehmen, die in Kooperation mit Universität zu Lübeck stehen, sowie einer Welle von Solidaritätsbekundungen deutlich.

Medizintechnik kann ohne Medizin nicht aufrecht erhalten werden, da gerade sie auf die direkte Zusammenarbeit mit der Medizin angewiesen ist. Auch die Zukunftschancen biowissenschaftlicher Forschung sind stark gefährdet. Die Medizintechnik als Kernbereich der Gesundheitswirtschaft in Schleswig-Holstein stellt das wichtigste Element der Wirtschaft dar. „In keinem anderen Bundesland“, so ein Gutachten des Sozialministeriums von 2009, sei  „dieser Wirtschaftszweig derart tragend für die Ökonomie.“ Schleswig-Holstein sieht sich mit dieser Entscheidung also einen enormen wirtschaftlichen Schaden gegenübergestellt. In diesem Gutachten empfiehlt das Ministerium dann auch einen Ausbau der vorhandenen Exzellenz, weil sich hier hervorragende Zukunftschancen abzeichnen. Eine der Entscheidungsgrundlagen der Abschaffung der Lübecker Hochschulmedizin, dass Schleswig-Holstein zu viele Mediziner ausbilde, entspricht schlichtweg nicht der Wahrheit. Vielmehr liegt Schleswig-Holstein im Mittelfeld und fällt ohne Lübeck in der Ärzteausbildung weit unter das bundesweite Minimum. Auch die angedachte “Verlagerung” der Studienplätze nach Kiel ist ein Mythos, da ohne die nötige Kapazität keine Erweiterung der medizinischen Fakultät in Kiel möglich ist. Es ist also eine starke Tendenz in die entgegengesetzte Richtung der Bundesbildungspolitik zu erkennen.

Wir kämpfen nicht nur für den Erhalt unserer Universität und den Erhalt exzellenter Bildung, sondern gegen offensichtlich zukunftsschädigende Sparmaßnahmen. Das blinde Sparen an den falschen Stellen zerstört die Grundlage einer gesicherten Zukunft. Wenn wir jetzt nicht kämpfen, gibt es bald nichts mehr, für das es sich überhaupt lohnt sich einzusetzen.

Den Verlauf der Aktionen kann man am besten mit den Wochenberichten nachvollziehen:

http://www.luebeck-kaempft.de/wordpress/?p=3321